Was ist eine Kurzgeschichte?
Die Kurzgeschichte erfreut sich heute einer zunehmenden Beliebtheit. Sie zählt dabei zu den modernen literarischen Formen der erzählenden Dichtkunst, also der Prosa. Vorwiegend zeichnet sich die Kurzgeschichte durch ihre Länge aus, die recht gering gehalten wird. Erreicht werden kann das aber nur, wenn die Inhalte entsprechend zügig abgehandelt werden. Die Kurzgeschichten entstanden etwa zeitgleich mit den Fortsetzungsromanen im 19. Jahrhundert. Damals entwickelten sich die ersten Zeitschriften und diese boten den meisten Autoren bessere Veröffentlichungschancen, als es bei einem eigenen Buch der Fall gewesen wäre.
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Die geschichtliche Entwicklung der Kurzgeschichte
Die Kurzgeschichte entstand unter dem Begriff short story vor allen Dingen im englischsprachigen Raum, sowie in Amerika. Berühmte Künstler, die die Kurzgeschichte für sich entdeckten, waren hier vor allen Dingen Edgar Allan Poe, Ernest Hemingway oder William Faulkner, um nur einige der ganz großen Namen zu nennen. In Deutschland wurde die Kurzgeschichte erstmals um 1900 entdeckt. Allerdings hatte sie anfangs nur wenig Erfolg, waren doch andere Kurzformen der Prosa, wie die Novelle, die Kalendergeschichte oder die Anekdote damals schon recht weit verbreitet.
Allerdings begann der Siegeszug der deutschen Kurzgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Der so genannte „Kahlschlag“, der einen Neubeginn der Literatur in Deutschland mit sich bringen sollte, war für die zunehmende Bedeutung der Kurzgeschichte verantwortlich. Dabei versuchten die Autoren, kurze Geschichten mit sachlichen Worten und einfach verständlicher Sprache zu entwickeln. Als Vorbild nahmen sie sich vor allem amerikanische Autoren, allen voran Ernest Hemingway. Die Kurzgeschichten sollten sich deutlich von den nationalsozialistischen Schriften absetzen, die damals noch zahlreich auf dem Markt vertreten waren.
Noch bis in die 1950er Jahre waren Kurzgeschichten vor allen der Verarbeitung des gerade wenige Jahre zurückliegenden Kriegsgeschehens gewidmet. Einer der bekannten Autoren jener Zeit war Wolfgang Borchert. In seinen Geschichten beschrieb er die Armut der Deutschen gegen Ende der 1940er Jahre, sowie die Probleme, die die kriegserfahrenen Soldaten mit dem plötzlichen Frieden hatten. Im Allgemeinen beschäftigten sich die Autoren der damaligen Kurzgeschichten allerdings mit allgemeinen Problemen, wie dem Mangel an Kommunikation, den Verständigungsproblemen der verschiedenen Generationen und dem Statusdenken. Nach dem Zweiten Weltkrieg machten sich vor allem Autoren, wie Wolfang Borchert, Heinrich Böll, Siegfried Lenz oder Gabriele Wohmann mit Kurzgeschichten einen Namen.
Etwa Mitte der 1960er Jahre verloren die Kurzgeschichten an Bedeutung. Sie waren attraktiv, als die damals aktuellen Probleme darin geschildert wurden. Als sich die Menschen aber mit der neuen Weltordnung abgefunden hatten, hatte die Kurzgeschichte ausgedient. Es kam zwar noch einmal zu einer weiteren Verkürzung der Geschichten, so dass die Kürzestgeschichte entstand, die unter anderem von Peter Bichsel oder Thomas Bernhard stammen, doch in der Weltliteratur nahm die Kurzgeschichte keine Bedeutung mehr ein. Seit aber das Internet für nahezu Jedermann zugänglich ist, erleben die Kurzgeschichten ein neues Hoch, da viele Menschen diese Form der Prosa als geeignetes Mittel halten, um die eigenen Probleme aufzuarbeiten.
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Wichtige Merkmale der Kurzgeschichten
Kurzgeschichten und short storys lassen sich seit jeher nicht in ein bestimmtes Muster zwingen. Sie unterscheiden sich je nach Werk sehr deutlich. Nur wenige einheitliche Merkmale konnten von den Experten bisher gefunden werden. Dabei sind diese charakteristisch für die deutsche Kurzgeschichte aus der Zeit von 1945 bis 1955. So soll eine Kurzgeschichte in nur einem Leseakt durchgelesen werden. Weiterhin zeichnet sie sich dadurch aus, dass ihre Aussagen nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Vielmehr muss der Leser gezielt zwischen den Zeilen lesen und über das Gelesene nachdenken, um den genauen Zusammenhang zu erkennen.
Bei der Erzähltechnik gibt es meist einen erkennbaren Erzähler, der die Geschehnisse jedoch aus der Distanz betrachtet. Seltener finden sich auch Ich-Erzähler in den Kurzgeschichten wieder. Die Einleitung ist in der Regel sehr kurz gehalten, der Einstieg in die eigentliche Geschichte beginnt sehr früh. So werden sehr zügig die mitwirkenden Personen vorgestellt. Der Inhalt kann sehr stark komprimiert werden, indem die Autoren Metaphern und Symbole, sowie Andeutungen verwenden. Die Erzählform ist meist in der Vergangenheit gefasst, es werden zudem nur sehr kurze Zeitspannen in der Kurzgeschichte dargestellt. Darüber hinaus zeichnet sich die deutsche Kurzgeschichte dadurch aus, dass Umgangs- und Alltagssprache, teils sogar Jargon verwendet wird. Ebenfalls charakteristisch für die deutsche Kurzgeschichte ist, dass viele Inhalte doppeldeutig sind. Sie wollen nicht die eigentliche Situation des Erzählten darstellen, sondern auf größere Probleme hinweisen. Der Schluss gestaltet sich als offener Schluss oder als Pointe. Dabei ist der offene Schluss ein ideales Mittel, um den Leser zum Nachdenken anzuregen. Denn hierbei bleiben viele Fragen offen.
Die Thematiken sind in der Regel sehr konfliktreich und emotional geprägt. Dabei drehen sich Kurzgeschichten häufig nur um ein oder zwei Hauptpersonen, wobei auch einige Ausnahmen mit deutlich mehr Hauptpersonen zu finden sind. Weiterhin zeichnet sich die Geschichte durch eine einsträngige Handlung aus, die sich meist mit aktuellen Problemen der jeweiligen Zeit auseinander setzt. Die Geschichte selbst spielt nur an wenigen Orten, die handelnden Personen sind Menschen aus dem Alltag, selten Helden oder anders herausragende Personen.
