Die Super Nanny und Darth Vader
Nach der erfolgreichen Rehsozialisierung von Bambi, widmet sich Super Nanny Valentina Fahlschrank ihrem nächsten schwierigen Fall, der sie zu Familie Skywalker führt. Bereits beim Anblick des düsteren Todessterns ahnt sie, dass sie diesmal ihr ganzes aus Frauenzeitschriften erworbenes Quacksalberwissen anwenden wird müssen.
„Hallo! Ich bin die Super Nanny. Und Sie sind bestimmt Herr Darth Vader.“
Ihr Gegenüber röchelt zustimmend. Dr. Fahlschrank missbilligt die Maske des Vaters und schneidet das Thema sogleich an. „Es wundert mich nicht, dass Ihre Kinder Distanz zu Ihnen wahren, wenn Sie doch Ihrerseits mit Ihrer Maske Abscheu vor Ihnen zeigen. Warum machen Sie nicht einen Anfang und nehmen die Maske ab?“
Herr Vader kommt diesem Wunsch nach.
„Hm. Wissen Sie was? Das war doch keine gute Idee.“
Nach kurzer Inspektion von Sektor F, in welchem die Gefangenenzellen, die Wäscherei sowie die Duschen untergebracht sind, kann die Super Nanny mit ihren ersten Eindrücken nicht mehr hinterm Berg halten: „Es gibt hier nur Männerduschen. Wo sind die gesetzlich vorgeschriebenen Frauenduschen?“
„An Bord meiner Raumschiffe gibt es keine Frauen!“
Der Super Nanny wird so einiges klar. „Dann wundert es mich nicht, wenn sich Ihre Tochter Leia abkapselt. Gerade junge Frauen benötigen Umgang mit gleichaltrigen Mädchen. Etwa zum Austausch belangloser Gerüchte oder für das Aufsuchen von Toiletten. Und was Ihren Sohn Luke betrifft, so benötigt er … mir fällt jetzt kein Euphemismus für Wichsvorlagen ein. Nun, er benötigt den Anblick von Frauenkörpern, um seine jugendliche Sexualität frei entfalten zu können. Haben Sie wenigstens Sexzeitungen an Bord?“
„Das hier ist der Todesstern, nicht der Coupé-Stern!“
„Ein sehr gutes Stichwort: Müssen Sie dieses Raumschiff denn unbedingt Todesstern nennen? Jugendliche benötigen positive Werte für die Zukunft.“
Offensichtlich hat Herr Vader darüber noch nie nachgedacht. Trotz Maske wirkt er nachdenklich. „Wie soll ich es sonst nennen?“
„Nun, wie wäre es mit Flower-Power-Station? Pension Sonnenblick?“
„Zum letzten Mal: Das ist ein Todesstern! Eine Vernichtungsmaschinerie! Es ist mein Job, Angst und Schrecken zu verbreiten. Wie würde denn das aussehen, wenn die Rebellen sich zuriefen: ‚He, Jungs, da kommt der Kuschelbär-Stern’?“
Dr. Fahlschrank hat genug gehört und möchte sich ein Bild von Herrn Vaders Kindern machen. Zunächst sucht sie Leia auf, die sich in einer Bar eines selbst der Super Nanny fremden Planeten herumtreibt. Rasch erwirbt sie das Vertrauen der jungen Frau.
„Denkst du nicht, dass sich dein Vater Sorgen um dich macht? Du schließt dich Rebellengruppen an, die regierungsfeindlich sind und somit gegen deinen eigenen Vater agieren.“
„Der interessiert sich doch gar nicht für mich. Er will nur die ganze Galaxis erobern und zerstören. Für mich bleibt da kein Platz in seinen Plänen.“
Doch Dr. Fahlschrank sieht das anders. „Weißt du, ich könnte mir vorstellen, dass er ein sehr unsicherer Mensch ist und die Kälte, die du ihm entgegen bringst, mit Allmachtsphantasien zu kompensieren versucht. Unter den Stahlplatten seines Körpers schlägt ein künstliches Herz. Das solltest du nie vergessen.“
Leia scheint nicht überzeugt zu sein. „Als ich das letzte Mal zu Besuch war, zerstörte er einen ganzen Planeten, damit ich dort nicht mehr jeden Tag zum Friseur gehen kann. Was sagen Sie dazu?“
Die Super Nanny ist schockiert. „Das hat er gemacht? Konnte man dort RTL empfangen?“
„Nein.“
„Trotzdem ist das nicht okay. Genau so wenig wie der Umgang, den du pflegst. Dieser Han Solo ist ein Schmuggler und Verkehrsrowdy. Außerdem redet er mit einem Kerl, der in einen Flokati gehüllt ist und unanständige Laute ausstößt. Findest du das nicht bedenklich? Mir ist ja klar, dass ein junges Mädchen wie du gegen die Klassengesellschaft rebellieren möchte. Aber man braucht eine gewisse Sicherheit im Leben, und die kann nur ein funktionierendes, autoritäres System versprechen.“
Nach kurzem Zögern ist Leia bereit, die Super Nanny auf den Todesstern zu begleiten, um dort das Gespräch mit Herrn Vader zu suchen. Derweil sucht Dr. Fahlschrank auf Dagobah – wie immer von unserem Werbepartner Dr. Oetkers Eierköppe präsentiert – nach dem jungen Luke. Sie findet ihn in Gesellschaft eines legasthenischen Geringwüchsigen vor.
„Dein Vater macht sich große Sorgen um dich, Luke.“
„Ich will nicht zu ihm zurück! Er hat mir die Hand abgeschlagen. Seitdem kann ich nur noch einhändig masturbieren.“
Die Super Nanny versteht seine Bedenken und legt einen Arm um ihn. „Wenn du möchtest, kannst du dich jetzt emotional fallen lassen und weinen.“
„Danke, aber nein.“
„Du lässt dich jetzt fallen und heulst Rotz und Wasser oder ich spiele Zwerge werfen mit deinem Freund hier!“
Spontan bricht Luke in Tränen aus und Dr. Fahlschrank nimmt ihn in die Arme. „Gut, das reicht. Gleich ist Werbepause. Lass uns zum Todesstern fliegen.“
Gerührt verfolgt die Super Nanny Lukes Abschied von seinem Freund Yoda, der ihm noch einen Rat auf den Weg mitgibt. „Luke! Niemals die dunkle Seite der Macht du unterschätzen darfst.“
„Jetzt bin ich aber einigermaßen verunsichert. Wir werden es doch hoffentlich nicht mit der dunklen Seite der Macht zu tun bekommen, Frau Super Nanny?“
Dr. Fahlschrank kann den Jungen beruhigen. „Natürlich werden wir! Dein Vater ist das absolut Böse und ich bin von RTL. Zusammengerechnet ergibt das mehr Dunkelheit, als ohne Taschenlampe in einem Schwarzen Loch herumzuirren.“
„Ah, gut! Einen Moment noch, bitte: Ich hole schnell mein Zwei-Laserschwert, das so lustig blau flimmert.“
Zurück auf dem Todesstern kommt es zum Eklat: Vater und Sohn lassen harten verbalen Attacken physische folgen. Entschlossen greift die Super Nanny ein.
„Halt! Das reicht! Augenblicklich steckt ihr jetzt die Laserschwerter wieder ein, verstanden? So nicht! Wir sind zivilisierte Menschen. Luke, das gilt auch für dich!“
Widerwillig strecken die beiden ihre Waffen.
„Schön. Und jetzt sollte einer von euch einen versöhnlichen Neubeginn setzen. Herr Vader? Wollen Sie es nicht probieren?“
„Luke! Ich bin dein Vater!“
Ein Knalleffekt folgt, der selbst die Super Nanny sekundenlang sprachlos macht.
„Du bist nicht mein Vater!“
Erstaunen mischt sich in die vergiftete Atmosphäre an Bord.
„Wie meinst du das, Luke? Wieso sollte Herr Vader nicht dein Vater sein?“
„Es war eine unbefleckte Empfängnis! Also ist er nicht mein Vater.“
„Stimmt das, Herr Vader?“
Darth Vader scheint nicht so recht zu wissen, was er antworten soll. Endlich rückt er denn doch mit der Wahrheit heraus. „Die Eltern meiner Frau Padme waren immer gegen unsere Beziehung. Als sie dann schwanger wurde erinnerte ich mich an einen Trick, den ich mal in einem Buch gelesen habe. Wir behaupteten, sie sei einfach so schwanger geworden, ohne mit mir … na, Sie wissen schon! Hauruck, und so. Luke, du bist mein Sohn! Und Leia, du natürlich auch.“
Dr. Fahlschrank nimmt es heute ganz genau. „Sie meinen, sie ist Ihre Tochter.“
„Nein, auch Leia ist mein Sohn! Aber damals erhielt man vom Staat für Töchter höhere Geburtenbeihilfen als für Söhne und wir gaben Leia als Mädchen aus. Verzeih mir, bitte!“
Leia scheint die schockierende Nachricht sehr gelassen aufzunehmen. „Ach so. Das erklärt meine flache Brust und warum meine Freunde noch während der ersten Liebesnacht immer schreiend davonliefen.“
Ermutigt von diesem Eingeständnis bohrt Dr. Fahlschrank nach. „Herr Vader. Gibt es da nicht noch etwas das Sie Ihrem Sohn, ich meine, dem Hübscheren Ihrer beiden Söhne, gestehen müssen? Ich spreche von einer körperlichen Einschränkung, die er Ihnen zu verdanken hat.“
„Ja, ich … es tut mir Leid, Luke! Aber wir sind nun mal Juden und die Beschneidung gehört einfach dazu und –“
„Nein, das andere.“
Herr Vader macht einen Schritt auf seinen Sohn. „Oh. Also das mit der Hand tut mir natürlich auch Leid. Aber du musst zugeben, dass ich dich nie wie andere Väter geohrfeigt habe. Schließlich liebe ich dich wie mein eigen Fleisch, Blut und Maschinenöl. Ich werde auch nie wieder versuchen dich mit einem Laserschwert zu erschlagen oder deinen Raumgleiter abzuschießen. Lass uns wieder Vater und Sohn sein und mit grausamer Knute die Galaxis unterjochen und beherrschen.“
Luke scheint noch zu zögern. Aufmunternd nickt die Super Nanny ihm zu. „Akzeptierst du dann auch meine Freunde?“
„Hm. Ja, gut. Meinetwegen kannst du den hässlichen Zwerg zur nächsten Geburtstagsfeier einladen. Aber wenn er wieder anfängt, Sprüche aus dem Abreißkalender zu rezitieren, erwürge ich ihn.“
„Herr Vader!“
„Das war nur ein Scherz. Ja, ich akzeptiere deine Freunde. Auch diesen Typen, der wie eine gigantische Nacktschnecke aussieht.“
„Jabba? Der ist doch nicht mein Freund!“
„Nicht? Er hat aber behauptet er wäre dein Freund. Du lieber Himmel – ich habe ihm deine Bahncard geliehen.“
Endlich, nach vielen Jahren des Hasses, liegen sich Vater und männlicher Sohn in den Armen. Nun muss auch noch die Aussöhnung zwischen Herrn Vader und seinem weibischen Sohn stattfinden.
„Entschuldige, Leia, dass ich deine Kindheit vermiest und diesen Planeten, auf dem du viele Freunde hattest, zerstört habe. Meine Laune war an dem Tag ziemlich im Keller, nachdem ich ein paar unfähige Offiziere erwürgen hatte müssen. Und mein Hinterkopf juckte, ohne dass ich die Stelle kratzen konnte.“
„Na ja, ich war auch nicht immer nett zu dir. Im Rebellenstützpunkt benutzten wir dein Bild als Dartscheibe.“
„Kannst du deinem armen, alten, zerbrechlichen, rostzerfressenen Vater noch einmal verzeihen?“
Auch Leia fällt in seine Arme und endlich sind diese drei Menschen, die einander spinnefeind waren wie RTL und SAT1, in familiärer Liebe vereint.
Die Super Nanny ist gerührt und wünscht Familie Vader alles Gute.
„Dann hoffe ich einfach mal, dass alle Unstimmigkeiten ausgeräumt sind und ihr wieder eine klischeehafte Familie bildet. Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Hund. Warum adoptiert ihr nicht diesen Chewbacca? Falls ihr mich wieder einmal braucht: Planet Erde, nicht vergessen.“
„Oha! Ich fürchte, den habe ich gestern zerstören lassen. Nein, kleiner Scherz.“
Erleichtert besteigt Super Nanny Dr. Fahlschrank ihr Super Shuttle und bricht nach Hause auf.
Noch ahnt sie nichts von ihrem nächsten Fall, der sie ausgerechnet in die Zelle des grausamen Psychologen-Kollegen Hannibal Lecter führen wird. Kann sie die Lämmer zum Schweigen, oder wenigstens zum Nachgrübeln bringen? Wird Anstaltsleiter Dr. Chilton auch ihr das schockierende Foto seines monströsen Pimmels zeigen? Kann sie Buffalo Bill das Fell über die Ohren ziehen? Und wird sie die Essenseinladung von Dr. Lecter annehmen und trotz leeren Kühlschranks und Sezierinstrumenten auf der Anrichte keinen Verdacht schöpfen?
Versäumen Sie keinesfalls die nächste Folge der Super Nanny … oder wir läuten an Ihre Tür und blamieren Sie vor Millionen Zuschauern.
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