der Druchim
ich poste jetzt einfach mal die ersten seiten einer kurzgeschichte, die ich in den sommerferien so aus heiterem himmel schrieb.
sind jede menge rechtschreibfehler drinn, obwohl ich jedes mal lesen welche find und ausbesser, sind sicher noch tausend drinnen.
auch gefällt sie mir persönlich nicht wirklich, aber ich will sie nicht im keller halten. also raus damit.
Ursprünglich hätte ich noch eine größere in selbigem Universum parat, aber nach 20 handgeschriebenen seiten hat sie mir so gar nicht mehr gefallen, dass ich sie weggelegt hab und die hier geschrieben hab.
ich poste mal die ersten drei (von zehn) word-geschriebenen seiten.
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Der Druchim
Mit langsamen Schritten näherte er sich dem steinernen mit Ornamenten verzierten Geländer des Balkons. Die Berührungen seiner ledernen Schuhe auf den steinernen Fließen erzeugten keine Geräusche, die die friedliche Abendruhe hätten stören können. Er erreichte den Rand des Balkons und legte seine Hände leicht auf die Brüstung, ohne sich dabei abzustützen.
Trotz seines Alters stand er aufrecht mit erhobenem Haupt, sein langes, ergrautes Haar wehte leicht im friedlichen Abendwind, während er seinen Blick über das Land vor ihm schweifen ließ.
Unter dem Balkon neigte sich der Palast in die Tiefe, unzählige Erker, kleine Vorbauten und weitere Balkone und Terrassen schienen sich aus dem Gewächs von Säulen und Verzierungen zu winden, weit unter sich am Boden sah er die Gartenanlagen, die bis zu den uralten Wehrmauern führten, die den Palast umgaben. Die Gesänge der Vögel, die Tagsüber die Gärten erfüllten, waren verstummt und für das Konzert der Grillen und Zirpen war er zu hoch oben. Hier hatte er seine Ruhe, nur der sanfte Spätsommerwind blies ihm um die Schultern, bereit seine Gedanken, denen er überdrüssig geworden war, mit in die Ferne zu tragen.
Hinter den Mauern fiel die Erhebung auf der der Palast stand sanft ab, die arbeitenden Bauern hatten zu dieser Stunde ihre Werkzeuge schon niedergelegt und die Felder verlassen. In einiger Entfernung sah er die Giebel des Dorfes Wal’yl, das dem Palast am nächsten lag. Das Dorf grenzte an einen dichten schier endlosen Wald, den Norwald, der sich ueswärts bis an die Grenzen des Imperiums, idenwärts an die Klippen der Berge, die Druchim’inor von Norland abgrenzten und unüberwindbar waren und norwärts bis an die See erstreckte.
Der Norwald erschien ihm im letzten Licht des Tages nahezu schwarz, sanfte Nebelschwaden hingen wie graue Schleier hier und da über ihm. Er wusste, dass mehrere Pfade in den Wald führten, es war ihm jedoch nicht bekannt ob auch nur einer von ihnen auch wieder an anderer Stelle hinaus führte, seit seiner Regentschaft im Rat hatte er von niemandem gehört, der sich in den Wald gewagt hatte, es gab keine Karten über die Pfade und Lichtungen des Norwalds und keine Aufzeichnungen über seine Bewohner. In sehr kalten Wintern gab es in der Schenke von Wal’yl Gerüchte von düsteren Schatten, die am Rande des Waldes gesichtet wurden und laute Geräusche, die keinen bekannten Wesen zugeordnet werden konnten. Einige verschwundene Tiere wurden den Bewohnern des Waldes angehängt, aber außer Geschichten über Schatten die in der Abenddämmerung am Waldrand huschten, gab es keine Fakten, die Zusammenhänge näher legten.
Waren es Ammenmärchen? Er wusste es nicht, denn trotz diesen Geschichten hatte Wal’yl seit dem Bürgerkrieg keine Palisade mehr gehabt und passiert war seines Wissens auch nichts.
Wenn der Norwald die Heimat von unbekannten Wesen war und die Kälte des Winters sie aus dem unwirtlichen Inneren hervor trieb, so schienen sie doch die Grenzen ihres Reichs zu kennen und einzuhalten.
Im Iden sah er über dem zerklüfteten Gebirge, dass den Wald und die Landschaft bis zu seinem Balkon in den Schatten warf, die letzten Strahlen der Sonne, die die Bergspitzen und Kämme in ein gelblich, rötliches Licht tauchte. Norwärts, wo das Gebirge in die See lief, die
sich vor seinen Augen bis an die Linie des Horizonts erstreckte tauchten die letzten Zeugen des Tages die Wolkenfront, die über dem Horizont hing in ein pink violettes Farbenspiel.
Sein Blick wanderte nach rechts, kjøwärts folgte er der Küste, deren Büsche und Wiesen sanft ins Meer abfielen, das heute ruhig gegen den Strand lief. In der Küstennähe sah er die spitzen Felsen, die in geringen Abständen aus dem Meer ragten, manche kleiner, manche so groß, dass ein kleines Dorf darauf Platz gefunden hätte. Er wusste, dass noch viele davon unter der Wasseroberfläche ruhten, die diesen Abschnitt der See für die Schifffahrt unmöglich machten.
So stand er auf dem Balkon, sanft vom Wind umweht, vor sich das Land im Schatten des Abends und machte sich bewusst, wie friedlich es war. Es war nicht immer friedlich gewesen.
Er selbst war es, der dem Land den Krieg gebracht hatte, er selbst hatte Druchim’inor zerschnitten, aufgewühlt, aufgeweckt, verbessert.
Er hatte den Krieg gebracht, auf den der Frieden gefolgt war.
Es war noch nicht lange her, bald würde es ein Jahrzehnt sein, da die Palisaden von Wal’yl standen, die Felder brannten, Abgeschlachtete die Wiesen säumten und Höfe, die nicht im Schutz der Palisaden standen, vom Abend bis zum Morgengrauen sich von Herbergen zu Gerippen aus niedergebranntem Holz und umgekippten Mauern verwandeln konnten.
Die Erinnerungen von vielen Schlachtfeldern hatten sich in ihm festgesetzt.
Blutende Menschen die um Gnade flehten, abgetrennte Gliedmaßen, zerschlagene Schilder, Helme und gebrochene Speere, die wie Statuen in der Erde steckten und stumm den Krieg anklagten. Er hatte gelernt in den Augen der Menschen zu lesen, er konnte darin sehen wann der Hass und die Wut stark genug waren um den Respekt vor anderen Wesen zu hintergehen, bereit für die Sache, seine Sache, die sie für richtig hielten ihm in den Tod zu folgen und viele ihrer Feinde voraus zu schicken.
Er hatte schnell gelernt die Erinnerungen hinzunehmen, wie er damals den Hass und die Aggression hingenommen hatte.
Er schämte sich seiner Taten nicht, er bereute sie nicht und hatte er Druchim’inor nicht das Fundament für eine bessere, dauerhaft friedliche Zukunft geliefert?
Des Nachts plagten ihn keine Alpträume, er hatte sich für die richtige Sache eingesetzt, die schnell gewachsen war, aber er war mit ihr gewachsen.
Gedanken versonnen hob er die Hand und rückte sich die metallene Brosche, die seinen Mantel aus grauem Wolfsfell vor seinem Hals zusammen hielt und das Wolfswappen, das Wappen der Druchim’inor zeigte, zurecht, denn der Mantel war ihm von der rechten Schulter gerutscht und es fröstelte ihn leicht.
Seine Jugend hatte er in Mørheim verbracht, seine Eltern waren Bauern und er lernte schon in jungem Alter die Natur kennen und mit ihr zu leben. Er erinnerte sich kaum an diese Zeit, sie war ereignislos und ohne nennenswerte Geschehnisse verlaufen. Er besuchte zusammen mit allen anderen Kindern seiner Region die imperiale Schule, die in der nächsten Ortschaft war, der größten des Verwaltungsbezirks. An den heiligen Tagen ging er mit seinem Vater ins Wirtshaus und lauschte dort allerhand Tratsch und Klatsch, den die fahrenden Händler auf ihrer Durchreise mitbrachten. In den Provinzen im Sü schien es zu brodeln, eine gefährliche Gegend, sagte man. Das Imperium hätte Pläne Expeditionen in die Dunkle Zone zu schicken, die sülich an die Provinz Druchim’inor grenzte und aus einem gigantischem, unerforschten Gebirge bestand, uestlich war die nächste angrenzende Provinz Aëgn, in der das Gebirge weiter verlief, durch die Provinz Syreia bis nach Airule, wo es sich in den Ebenen verlor.
Airule, Syreia und Aëgn waren die Provinzen, in denen angeblich der Krieg drohte, hier in Druchim’inor belächelte man diese Gerüchte, man hatte nichts zu befürchten. Selbst wenn dort Krieg ausbrechen würde, so würde er das friedliche Leben hier nicht gefährden. Den heiligen Acht sei dank, war das Leben hier seit dem dunklen Zeitalter, das ewig zurück lag friedlich, es gab den unvermeidlichen Tratsch und Klatsch eines Dorfes in dem jeder jeden kannte, es gab kleine Rivalitäten, aber im Allgemeinen lebte man in Einklang und Harmonie,
es gab keine Hungersnöte und Naturgewalten, außer den kalten Wintern, aber die Menschen in Druchim’inor hatten im Lauf der Geschichte gelernt mit dem Winter umzugehen.
In der Schenke von Mørheim hatte er auch das erste Mal seine spätere Frau gesehen und sich sofort mit jugendlichem Elan und einer ordentlichen Prise Naivität unsterblich in sie verliebt.
Es dauerte jedoch noch einige Monate, bis sie auch begann ihn wahrzunehmen und noch länger bis sie seine Liebe erwiderte. Als er in der Mitte seines siebzehnten Lebensjahres stand zog sie schließlich zu ihm in den stattlichen Hof seiner Eltern, der genügend Platz bot und seine Eltern freuten sich über den Zuwachs der Familie. Für drei weitere Jahre ging das Leben friedlich weiter, wenn er so recht dachte, war das vermutlich die friedlichste und schönste Zeit seines Lebens. Sie gingen gemeinsam zur imperialen Schule, an den heiligen Tagen zu den Messen, wo die heiligen Acht angebetet wurden und an den Abenden in die Schenke oder zu Bällen, die zu bestimmten, für die Ernte wichtigen Tagen des Jahres stattfanden. Die Gerüchte über den Krieg waren allgegenwärtig, aber er schien nicht auszubrechen, oder aber die Nachricht war noch nicht bis zu ihnen vorgedrungen. Manchmal lauschten sie den Alten, die von alten Zeiten sprachen, von den alten Göttern erzählten, die sich jedoch von Druchim’inor abgewendet zu haben schienen um den heiligen Acht zu weichen. Er und seine liebste Elaine lachten, wenn die Alten behaupteten, dass früher alles besser gewesen wäre. So verging die Zeit und er war glücklich und fleißig um Elaine und ihrem bald zur Welt kommenden Kind ein gutes Heim zu bieten. Auch Elaines Familie war stolz und froh und er ging öfters mit ihrem älterem Bruder zur Jagd, obwohl Elaine und ihre Mütter sich jedes Mal fürchteten, dass die beiden auf der Jagd in die Hände der Wolfsvereinigung, einer grausamen Bande aus Wegelagerern in die Hände fallen könnten, die von einem imperial gesuchten Hühnen angeführt wurden, der sich der graue Wolf nannte.
Eines Tages verabschiedeten sich er und William, Elaines Bruder nachdem sie nach der Jagd noch in der Schenke gesessen hatten. Die Jagd war nicht sonderlich erfolgreich gewesen, aber sie hatten sich die gute Laune nicht verderben lassen und den Abend mit ein paar Tränken ausklingen lassen, ohne dabei jedoch betrunken geworden zu sein.
Guter Dinge ging er spät Abends in die Richtung des elterlichen Hofes. Er konnte den Lichtschein des Feuers schon sehen, bevor das Gebäude in Sicht gekommen war. Er begann zu rennen. Vor ihm stand die Scheune in Flammen, es stank nach brennendem Heu und verbranntem Fleisch. Die Tiere waren verbrannt und die, die sich aus der Scheune retten konnten, lagen niedergestochen, mit aufgeschnittenen Bäuchen auf dem Rasen vor der Farm.
Er griff sich an die Stirn, auch hier am Balkon, nach so vielen Jahren hatte er das Bild noch vor sich als wäre es gestern, obwohl er damals nicht in der Lage war die Situation zu begreifen, es war als hätten seine Gedanken Mittagspause, er stand vor der brennenden Scheune und starrte mit offenem Mund auf das Spiel der Flammen vor ihm.
Als die Bestürzung und die Unfähigkeit die Situation zu begreifen abgefallen waren, rannte er in die Wohnstube, wo sich ihm ein Bild offenbarte, das sein Leben für immer verändern sollte. Seine Frau lag mit aufgeschlitzter Kehle auf dem Tisch, das ehemalige weiße Kleid zerrissen und starr von getrocknetem Blut, Der Vater lag mit schmerzverzerrtem Gesicht und einer Heugabel in der Brust auf der Bank und die Mutter fand er später, mit zerbissenem Körper hinter dem Haus, als ob sie von einem Wolf angefallen worden wäre. Im ganzen Haus waren Schränke umgestoßen, Schubladen herausgerissen und am Bett in seinem Schlafgemach lag ein heruntergerissener Vorhang, auf dem mit Blut eine hässlich gemalte Wolfsfratze zu sehen war.
Es war ihm als hätte Jemand ihm mit einem Holzhammer auf den Bauch geschlagen, sämtliche Luft war aus seinen Lungen gewichen, sein Bauch krampfte und er musste sich übergeben. Blind vor Schmerz rannte er am Hof herum. Er weinte, er schrie.
Unbewusst ballte er am Geländer des Balkons seine Faust, seine Lippen pressten sich
zusammen als er an diesen längst vergangenen Tag dachte.
Am nächsten Tag war er zum imperialen Regionsabgeordnetem gegangen um das Verbrechen anzuzeigen, wurde jedoch schnell wieder nach Hause geschickt. „Man könne momentan keine Truppen zur Phantomjagd abbeordern“, „der Graue Wolf wäre ein Hirngespinst, eine Kneipengeschichte“, „es wäre momentan nicht möglich einen Wald dieser Größe zu durchkämmen und selbst wenn man jemanden im Wald finden würde, würde man nicht wissen, ob es sich dabei um die Wölfe handelt“. „Er hätte das Mitgefühl des Großmarshalls des Imperiums, und er solle sich damit abfinden, von offizieller Seite hätte er keine Unterstützung zu erwarten.“
Seine Angaben wurden von einem Schreiber zu Papier gebracht, sollte man die Bande auf frischer Tat ertappen, würde man ihn zur Gerichtsverhandlung bitten, wo er seine Aussage vor dem Inquisitor wiederholen solle.
In den nächsten Tagen war er mit starrem Gesichtsausdruck in der Taverne gesessen, klagte sein Leid, schnappte irgendwo Gerüchte auf, dass der Regionsvorsteher mit den Wölfen in Verbindung stand und einen Teil der Beute kassierte. Vielleicht hatte er es auch nicht gehört, sondern war selbst auf den Gedanken gekommen, es spielte keine Rolle.
Später war er zu der Einsicht gekommen, dass das Imperium einfach ein zu großes Reich war, der Verwaltungsaufwand und die Organisation auf Grund einer einzigen Schandtat, die man nicht Nachweisen konnte zu hoch war um die Maschinen der Gerechtigkeit in Gang zu setzen.
Die Götter mussten eine sarkastische Ader haben, dass sie die Wölfe zu denen sandten, die ihn vor ihnen gewarnt hatten. In der folgenden Zeit verlor er sich in der Schenke, zwischen Tränken die halfen seinen Schmerz zu überwinden, die ihn aber auch zu jede Menge wirrer Gedanken beflügelten. Er wusste nicht wie viele Tage er sich dem Konsum dieser Tränke hingab, ihm erschien es wie Jahrhunderte. Erst klagte er die Götter an, schließlich kam er zu der Erkenntnis, dass sie sich wohl von ihm abgewandt hatten, was zu der Frage führte ob sie denn existierten, wenn ja, was waren sie für Götter, die solche Grausamkeiten zuließen? Konnte sein Leben schlimmer werden? Konnten sie ihn für sein Handeln noch mehr bestrafen? Wohl kaum. Er beschloss sich von den Acht abzuwenden, er verbannte sie aus seinen Gedanken. Irgendwann kam er im Halbdunkel der Schenke, zwischen all den lärmenden Suffköpfen und Raufbolden, die sich über Nichtigkeiten wie Kriege in fernen Provinzen und die schönsten Brüste in Mørheim unterhielten, zu der Erkenntnis, dass er der einzige war, der Entscheidungen in seinem Leben traf und das es Zeit wurde Entscheidungen zu treffen! Er ging voll Zorn und dem unbeugsamen Wunsch nach Rache zu William und entfachte in diesem in einer flammenden Rede ein ähnliches Feuer.
Sie durchwanderten den Wald, ergründeten so manche Höhle, bis sie nach mehreren Wochen, während eines Unwetters Schutz in einer Höhle suchten, in der sich eine Bande eingenistet hatte, deren Anführer so groß war, dass er gebückt gehen musste, da er sich sonst den Kopf gestoßen hätte.
William und er hatten sich in einem düsteren Stollen versteckt, ein wenig abgelegen von dem Bereich in dem die Bande lagerte. Als sie sich sicher waren, dass die Wölfe, eingenebelt von ihren billigen Tränken schliefen, schlichen sie sich langsam zu ihnen. Wachen gab es keine, die Wölfe hatten in dieser versteckten Höhle auch nicht erwartet gefunden zu werden.
Für sie lag die Gefahr, so es eine gab, außerhalb der Wälder, die Galgen vor den Stadttoren konnten ihnen gefährlich werden, wenn sie sich bei einer ihrer Taten erwischen ließen.
William und er hatten schnell mit Handzeichen, die sie kaum sahen in der düsteren Höhle, die nur durch ein bald ausgehendes Feuer erhellt wurde, ausgemacht, wer die gefährlicheren der sechs schlafenden Männer waren. Das war unnötig, denn diese waren so benebelt, dass keiner aufwachte, bis sie alle tot waren. Der Hass führte ihre Klingen in die Körper der Wölfe und sie richteten ein Schlachtfest an, dass dem bei seinem Elternhaus ebenbürtig war.
Sie fühlten sich erschöpft, aber ebenso stolz. Der Tot seiner Eltern und von Elaine war gerächt. Kurzzeitig waren sie von einem Glücksgefühl erfüllt, dass sie noch nie zuvor erlebt hatten.
Er schulterte sich das Wolfsfell von dem hühnenhaften Anführer und sie verließen die Höhle rasch, um den Geistern und Ghoulen zu entkommen, die von Toten angezogen wurden.
Der Glücksrausch den ihre erfolgreiche Rache ausgelöst hatte, ließ rasch nach und sie begannen zu begreifen, dass die Wölfe nur der ausführende Arm einer Maschinerie waren, die längst verkehrt lief. Das wahre Problem war das Imperium. Das strahlende Reich, dass größte Reich der bekannten Welt, dass seine Außengrenzen wunderbar gegen Feinde und einfallende Horden zu verteidigen mochte, dass aber für die Probleme der einzelnen nichts übrig hatte.
Wie sollte es auch? Die Provinzabgeordneten kamen aus den zentralen Regionen des Imperiums, waren der Bevölkerung unbekannt und nur die wenigsten kümmerten sich um deren Anlegen. Sie waren hier um Steuern einzutreiben, und die Regeln des Imperiums durchzusetzen. Das Reich war zu groß. Es funktionierte im Ganzen, aber nicht im Kleinen.
In den folgenden Wochen und Monaten hatten sich viele junge Männer und Frauen um William und ihn geschart, die wie sie selbst, nach Veränderung dürsteten.
Zuerst waren es nur Pläne in den Kneipen gewesen, doch an einem schicksalsträchtigen 5. November, hatte er, gehüllt in sein Wolfsfell mit ungefähr 70 Mitstreitern an hellem Tag das Verwaltungsgebäude gestürmt. Viele der Wachen und der Dorfbevölkerung hatten sich auf der Stelle und ohne zu zögern angeschlossen, als er über dem überwältigten Provinzvorsteher stand und mit schallender Stimme eine Rede hielt, die jedem der sie hörte klar machte, dass das Imperium Schuld an allem Übel war.
Oh ja, er hatte die Gabe zu reden und seine Zuhörer mitzureißen! Noch am selben Tag führte er eine Gruppe, die ungefähr viermal so groß war wie der Trupp, der die Rebellion ins rollen gebracht hatte in Richtung Hüvoldor. 5 Tage würde ihre Reise dauern, ehe sie in Hüvoldor den nächsten Bezirksvorstand entmachten würden. Sie schliefen unter freiem Himmel und folgten dem Verlauf der Mør, dem größten Fluss von Druchim’inor, der Druchim’inor von dem Kerngebiet des Imperiums der Mitte trennt. In jedem Dorf und in jeder kleineren Stadt, die sie passierten sprang der Funke der Revolution über, überall schlossen sich ihnen einige an.
Sie wurden von der Bevölkerung mit Nahrung unterstützt und aus den Fenstern wehten Tücher, mit blauen Wolfsfiguren darauf.
Die Lust nach Abenteuer, die Drang nach Veränderung, der Stolz auf das eigene Land, das solange schon nur noch eine imperiale Provinz war, viele waren von der Richtigkeit des Aufstandes überzeugt.
William und er hatten mittlerweile einen Rat gegründet, der die Aufständigen führte, organisierte und in kleine Kampfgruppen mit je einem erfahrenen, vertrauensvollen Kämpfer als Anführer gliederte. Es war wichtig, den Überraschungsmoment zu nutzen, so weit vorzudringen und so viele wie möglich zu erreichen, bevor das Imperium antworten konnte.
Die Gruppe, die sich ihnen in Hüvoldor anschloss, wurde geteilt. Ein Teil würde sich William und ihm anschließen und mit ihrer, mittlerweile stattlichen Truppe weiter norwärts nach Ravenshein wandern, der zweite Teil würde östwärts nach Melheim pilgern. Auf ihrem Weg würden sich ihnen genügend anschließen um Melheim im Flug zu erobern. Die Melheimer, die sich ihnen anschlossen, würden ebenfalls geteilt werden, die größere Gruppe würde kjøwärts reisen, im Nor und im Kjø befürchtete der Rat, würde das Imperium am schnellsten Reagieren können. In den nörlichen Regionen hatte das Imperium mehr Sympathisanten unter der Bevölkerung. Die zweite, kleinere Truppe würde süwärts Gebiet erschließen, wo weniger Widerstand zu erwarten sei und die Nachrichten über die Revolution die Bevölkerung schon erreicht haben würden.
Er lächelte. Das violette Licht über der See war dunkler und dunkler geworden und einem tiefen Blau gewichen. Er vermochte nicht mehr zu sagen, wo der Himmel das Meer berührte, in der Ferne war eine dunkelblau, schwarze Fläche, aus der Sterne zu wachsen schienen.
Mittlerweile war ihm kalt, aber er genoss die Ruhe, die er hier oben hatte. Er verschränkte die Arme vor der Brust und schob sie in die Ärmel.
Sein Plan war etwas unüberlegt gewesen, man könnte behaupten William und er seien damals mit einer Gruppe abenteuerlustiger Verrückter einfach drauf los spaziert. Aber es hatte funktioniert. Es war der richtige Zeitpunkt für Veränderung gewesen und was hätte ihm schon passieren sollen?
So schwappte die Idee von Veränderung wie eine Lawine von einer Region zur anderen, von jeder Stadt aus wurde mehr Gebiet erschlossen und sie kamen ohne Widerstand bis an den Ahrt, dem zweit größten Fluss, der Druchim’inor in Sü’inor und Nor’inor teilt und kurz vor dem Norwald, nicht weit von Wal’yl in den Mør mündet.
An diesem Abend stand er auf den Treppen des Tempels von und hielt seine Rede. Vor ihm am Tempelplatz drängten sich hunderttausend, die seiner Idee glauben schenkten und ihn unterstützten. Sie waren soweit gekommen, jetzt waren sie völlig davon überzeugt, dass es möglich wäre das Imperium komplett aus Druchim’inor zu verdrängen.
Der Ahrt war ein breiter, reißender Fluss, an ein heimliches überqueren bei Nacht war mit dieser Armee nicht zu denken, sie würden bemerkt werden, zumal der Überraschungseffekt bei einer solchen Streitmacht sowieso nicht mehr gegeben war, und die Staubwolken von den Wachen auf den Türmen von Weinhein schon gesehen worden sein mussten. Weinhein war ihr nächstes Ziel und die erste befestigte Stadt auf ihrem Weg. Er befürchtete, dass der Gedanke der Revolution womöglich nicht über die Stadtmauern Weinheins gelangen würde und der imperiale Vorstand den Aufstand in der Bevölkerung unterdrücken konnte, bevor er entflammte. Vor Verstärkung für das Imperium mussten sie sich noch nicht fürchten, selbst wenn eine Armee zu Beginn des Aufstands los gesandt worden wäre, so würde sie noch mindestens ein halbes Monat brauchen um Weinstein zu erreichen.
Er und der Rat beschlossen in Griesheim für noch mindestens fünf Tage zu bleiben, auf Nachzügler zu warten, Boten in die anderen Regionen Sü’inors zu senden um Neuigkeiten über den Verlauf der Revolution zu erfahren. Auch wollten sie den Haufen wilder Rebellen in dieser Zeit zu einer Kampfbereiten Truppe ausbilden. Waffenmeister und Strategen gab es schon unter ihren Reihen, nun mussten diese ihr Wissen an die Masse weitergeben.
Sehr von Vorteil war auch, dass jene Waffenmeister auf imperialen Akademien ausgebildet worden waren und so mit imperialen Strategien vertraut waren, dennoch warnten die Waffenmeister, dass der Konflikt schnell eskalieren würde, wenn das Imperium erst Unterstützungen gesandt hätte.
Die Boten brachten die Kunde, dass in jeder größeren Stadt eine ähnliche Streitmacht am Ahrt lagerte und überall hatte man mit der Ausbildung begonnen. Es wurden regelmäßige Botenlinien eingerichtet, auch die imperialen Briefadler wurden zur Verständigung genutzt.
Es gab sehr viel zu tun und es war nur sehr wenig Zeit.
Das Mørufer musste in ganz Sü’inor verstärkt werden, es durfte nirgendwo die Möglichkeit für Imperiale Streitkräfte zum übersetzen geboten werden. Brücken wurden zerstört, Fähren wurden versänkt, Befestigungen wurden errichtet.
Dabei musste auch bedacht werden, dass eine solche Armee ernährt werden musste. Es wurde reger Handel mit den Nopinesern getrieben, deren Reich an die Östgrenzen von Druchim’inor grenzte. Boten der Rebellen vereinbarten einen Nichtangriffspakt und einen Handelspakt, wobei von den Nopinesern nicht allzu viel Gefahr bestand, sie waren Händler und ihre Armeen reichten gerade aus um ihre Grenzen zu kontrollieren.
So wurde aus der barbarischen Horde eine organisierte Armee bereit für die Schlacht. Nach zwei Wochen waren genügend Fähren gebaut worden um einen Angriff auf Nor’inor durchzuführen. William führte die Armee gegen Weinhein, während er selbst die Truppen von Selderville, einer Stadt rijkwärts von Griesheim gegen die zweitgrößte Stadt am Norufer des Ahrt, Reststadt führte.
Seine Armee stieß auf gesperrte Tore, doch der Anblick und die Überzeugungskraft seiner Reden vermochten Reststadt zu überzeugen. Auch die Dörfer in der Umgebung hatten sich schon auf ihrem Weg nach Reststadt angeschlossen und so wehten bald die ersten weißen Fahnen mit blauen Wölfen am Norufer des Ahrt.
In Weinshein war der Widerstand wie erwartet deutlich größer, und als ein Bogenschütze von den Mauern Weinheins einen Aufständigen erschossen, floss das erste Blut seit sie mit ihrem Marsch in Mørheim begonnen hatten.
Er erinnerte sich daran, was für eine Aufregung durch die Reihen der Rebellen lief, den Kampflustigen wurde zum ersten Mal bewusst, dass es durchaus auch Opfer geben würde.
So begann die Belagerung von Weinhein, man fällte Bäume der umliegenden Wälder und begann mit dem Bau von Kriegsmaschinen, und nach nur drei Tagen waren in einem Halbkreis um die süliche Stadtmauer von Weinhein acht Triböcke, doch die imperialen Tore blieben verschlossen. Man hoffte offenbar noch immer auf die imperiale Befreiungsarmee.
Truppen der gelangweilten Armee zogen in der Zeit in die Dörfer um Weinhein und überbrachten die Botschaft.
Einige schlossen sich ihnen an, doch auf dieser Seite des Ahrt war die Macht des Imperiums deutlich größer und viele weigerten sich.
Als er eines Tages in einem Dorf von einem Jugendlichen hinterrücks attackiert wurde, flammte eine alte Wut wieder auf. Wie konnte dieser Junge es wagen gegen die Zukunft zu kämpfen? Dieser Junge war nicht nur geblendet, er hatte auch noch die Feigheit ihn von hinten zu attackieren! Mit einem entschlossenen Hieb hatte er dem jungen Mann damals den Schwertarm abgehackt. Sein Trupp spürte die Rage und auf einen hasserfüllten Blick von ihm hin, begannen sie jedes Haus und jeden Schuppen anzuzünden, auch unter den Dorfbewohnern wüteten sie und so manches Tier fiel seinem Zorn zum Opfer.
Er hatte eine Grenze überschritten, die nicht mehr rückgängig gemacht werden konnte.
Die anderen Dörfer würden davon hören und die, die sich ihnen nicht anschlossen würden verbissener Kämpfen und ob ihrer fehlgeleiteten Treue dem Imperium gegenüber fallen.
Er selbst hielt den jungen Armlosen hoch und zwang ihn sich das Gemetzel anzusehen.
Schreie hallten über die Straße, Körper klatschten auf den erdigen Boden, Blut sickerte aus ihren Wunden und trocknete auf der erdigen Straße. Seine Männer tobten unter den Ketzern, sie taten das Richtige und sie würden es noch in vielen weiteren Dörfern tun. Die Botschaft der Revolution war keine Botschaft der Freude mehr, sondern eine Botschaft des Schreckens.
Sollten sie sich fürchten, dachte er. Das würde ihnen helfen den richtigen Glauben zu erkennen. Sollten sie zu den Acht beten, sie würden lernen, dass diese ihnen nicht helfen würden, so wenig wie sie ihm geholfen hatten.
Der Junge entglitt seinem Griff, er brach zitternd zusammen. Die eine Hand legte er auf den Stummel der anderen um nicht zuviel Blut zu verlieren. Verzweiflung spiegelte sich in den Augen des Jungen, Unverständnis, wie er sie selbst vor der brennenden Farm empfunden hatte.
„Die Acht werden euch bestrafen, dafür kommt Ihr in den tiefsten Schlund des Tartarus!“
„Die Acht?“ höhnte er. „Die Acht haben keine Macht über mich. Und deine Hingabe scheint sie auch nicht berührt zu haben. Die Acht, oder die Alten, oder an wen ihr sonst glauben mögt, helfen euch nicht, mir haben sie nicht geholfen, sie helfen niemanden. Sie existieren nicht. Glaube mir, ich hab gelernt ohne ihnen zu leben und bis jetzt scheint es gut zu funktionieren! Ich bin nicht der Feind, warum klagt Ihr mich an? Ist nicht das Imperium schuld an eurem Übel? Was hat es je für dich getan? Wo ist es jetzt? Das sollte dir Beweis genug sein um an imperialen Götzen und dem Imperium selbst zu zweifeln! Leider ist es für dich zu spät für Erkenntnis, der Weg in ein freies Druchim’inor wird über dich hinweg führen und über alle, die ihre Augen vor der Wahrheit verschließen!“
„Für mich endet der Weg hier!“ presste der Junge hervor. „Für Euch wird er niemals enden, mit jedem Schritt den ihr geht, werden eure Qualen am Ende größer sein! Ihr findet keine Erlösung in der Verdrängung des Imperiums, Ihr macht euch was vor, um euren wahnsinnigen Kreuzzug zu rechtfertigen! Ohne den Schutz des Imperiums werden die reitenden Horden über euch herein brechen, die Drachen und Riesen aus der Dunklen Zone werden euch überfallen, Räuberhorden werden verhindern, dass eure Kinder auf den Straßen spielen.
Die Provinz wird im Chaos untergehen, ich hoffe für euch, dass die imperiale Streitmacht kommt und Euch Einhalt gebietet, bevor das Land ganz Euren wahnsinnigen Monstern zum Opfer fällt!“
Der Junge brach ohnmächtig zusammen. Er lachte. War das Leben nicht grausam? Es war noch nicht lange her, als er diese Erfahrung vor der Farm seiner Eltern machte. Das Leben war grausam und die einzige Antwort bestand darin sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, irgendwelchen Göttern konnte man es jedenfalls nicht überlassen. Es schien ihm wie eine Ewigkeit vorzukommen, seit er zu der Erkenntnis gekommen war, dass das Imperium in Druchim’inor nichts verloren hatte. Wie kam ein Großmarshall dazu zu entscheiden, wie sie hier ihr Leben führen sollten? An was sie glaubten, welche Gesetze sie befolgen sollten?
Zwei seiner Soldaten brachten eine weiße Flagge, mit dem blauen Wolfszeichen, die sie über den Jungen legten. Das Blut des Jungen färbte die Flagge um den Wolf rot.
Diese Flagge hissten sie am Dorfplatz, als Mahnmal für Ketzer und Fehlgeleitete, die sich lieber einem Leben in Sklaverei unter dem Imperium hingaben.
In den nächsten Tagen und Wochen wurde Landstrich für Landstrich erobert, Weinhein war längst unter dem Beschuss toter Kadaver gefallen. Blut vergießen war längst zur Tagesordnung geworden, die Männer und Frauen, die ihm folgten waren verroht, sie waren von Kindern die an eine Sache geglaubt hatten zu wahren Kriegern geworden.
Der Anblick des Todes brachte sie nicht mehr zum erschauern, Stadt für Stadt fiel, die Städte die nahe der Grenze des Imperiums lagen leisteten für gewöhnlich Widerstand, da sie auf die Rettung hofften, doch es schien als ob das Imperium für sie genauso wenig übrig hatte wie ihre Götter, an die sie sich verzweifelt klammerten. Kjowärts waren die Dörfer und Städte vernünftiger. Sie waren bereitwilliger an den Umsturz zu glauben, sie versorgten die Armeen mit Nahrung und nur wenig Blut musste für die richtige Sache fließen. Die Motivation unter seinen Männern war jedoch nicht mehr der Umschwung, sondern die Lust am Blut vergießen, sie hatten sich in Bestien verwandelt.
Was störte es ihn? Nicht das Werkzeug, sondern das Ergebnis würde entscheiden.
Eines Tages kam die Botschaft, dass das Imperium entlang des Mør Stellung bezogen hatte und harte, wenn auch sinnlose Stellungskämpfe über den Fluss entbrannt waren, denn die einen konnten nicht hinüber und die anderen wollten gar nicht. Ganz im Nor, nahezu an den Säumen des Norwaldes gelang es den Imperialen Truppen schließlich überzusetzen und sie hatten eine stattliche Armee mitgebracht. Infanterie, die von einem Ende des Schlachtfeldes bis zum anderen reichte und die imperialen Flaggen und Wimpel im Zeichen des Adlers schienen bis zum Horizont zurück in regelmäßigen Abständen in den Himmel zu zeigen.
Er konnte nicht einmal schätzen wie viele er vor sich hatte, Aber seine Truppen schienen nicht viel weniger zu sein. Als die Armeen zusammen prallten schien eine Erschütterung durch die Welt zu gehen, die im ganzen Imperium zu spüren sein musste. Waffen die aufeinander klirrten, Kaskaden aus Blut, fremdartige imperiale Kriegsmaschinen, riesige Konstruktionen aus Metall und Holz die sich irgendwie fortbewegen konnten, riesige Steinbrocken, die von den Triböcken der Druchim’inor in die Schlacht geschleudert wurden, gewaltige bläuliche Explosionen die von den imperialen Kampfmagiern verursacht wurden und viele auf einmal zerfetzen konnten. Staub lag überall in der Luft, den man noch von weitem sehen konnte. Die Lebensmittelnachschübe brachen bald zusammen, das gesamte Schlachtfeld dehnte sich langsam aus, die Verletzten auf beiden Seiten konnten nicht mehr geborgen werden. Verbissen kämpfte er an vorderster Front, zu Verhandlungen war es gar nicht gekommen, aber sie mussten gewinnen, das war ihre Gelegenheit um dem Imperium klar zu machen, dass es hier nicht erwünscht war. Würde es gelingen diese Armee zu vernichten, wäre das mit Sicherheit auch ein gewaltiger Schlag gegen das Imperium, es würde sich zurück ziehen oder aber ewig brauchen um eine neue Streitmacht zu mobilisieren.
Möglicherweise würden auch die Süprovinzen endlich Mut fassen und sich wehren. Dann wäre das Imperium an zwei Fronten beschäftigt.
Die Schlacht dauerte volle zwei Wochen und verlagerte sich im Verlauf auch in mehrere Städte, wo wüste Straßenschlachten entbrannten. Die Grafschaft Zweckenbørg wurde völlig vernichtet, in ihr tobte die Schlacht am heftigsten, in den letzten Tagen, bevor sie schließlich ein Ende nahm, weil sich die verbliebenen imperialen Truppen zurück zogen. Sie überquerten den Fluss und bezogen sofort Stellung um ein Eindringen in das Imperium zu verhindern.
Die Staubwolke, die durch die Schlacht aufgewirbelt wurde, verdunkelte noch eine weitere Woche den Himmel, bevor sie sich langsam zu lösen begann.
Die Kämpfe gingen noch mehrere Jahre im Land Druchim’inor weiter, die überlebenden Imperialen hatten einen gut organisierten Widerstand geleistet und auch manche Städte hielten noch stand.
Er war noch immer weiterhin der Anführer, und ein Großteil seiner Männer folgte ihm bedingungslos von Schlacht zu Schlacht. Einen weiteren Angriffsversuch unternahmen die Imperialen noch, sie überquerten die Mør südlich von Mørheim in gewaltigen Luftschiffen, woher sie diese hatten wusste er nicht, er hatte so etwas noch nie gesehen. Die Überraschung war auf imperialer Seite und es gelang ihnen Sønderheim und ein paar Farmen herum zu erobern. Sønderheim war schnell zurück erobert. Und fortan sollte kein imperialer Soldat mehr einen Fuß in das Land setzen. Der Großmarshall hatte also endlich aufgegeben und ihre Unabhängigkeit anerkannt.
Seine blühenden Pläne eines Wiederaufbaus wurden jedoch nicht in die Tat umgesetzt, denn unter seinen eigenen Truppen hatte sich Widerstand gebildet. Zum einen glaubten seine Männer nicht mehr an eine Zukunft, sie waren zu der Überzeugung gelangt, dass sie im letzten Zeitalter lebten, auf eine Zeit in der sich jegliche Götter abgewandt hatten, würde keine neue Zeit mehr folgen. Zum Anderen hatte William ihm vorgeworfen die Kontrolle verloren zu haben und dem Wahnsinn verfallen zu sein. William hatte sich mit seinen Truppen abgewandt und wieder verfielen die Leute dem Unglauben. Nahezu die Hälfte der Bevölkerung von Druchim’inor, diesmal jedoch großteils aus Sü’inor wandte sich ihm ab und William zu. Seine und Williams Armee prallten immer wieder heftig aufeinander, viele Leben forderte der Bruderkrieg. Das Chaos das im ganzen Land herrschte, bot Nährboden für allerlei weitere Feinde, Kulte entstanden, die zu den Göttern des Chaos beteten und mit einer berserkerhaften Besessenheit ihren Glauben verbreiten wollten. Abtrünnige Soldaten plünderten und mordeten, anstatt die Dörfer neu aufzubauen und die Felder zu bestellen.
Wie hätten sie das auch bewerkstelligen sollen? Sie konnten und kannten nach all den Jahren des Krieges nichts anderes mehr. 50 Jahre ging das Morden und Kämpfen in der eigenen Bevölkerung weiter, es gab kaum noch einen Fleck in Druchim’inor, an dem noch keine Schlacht stattgefunden hatte, oder an dem kein Blut vergossen worden war. Es gab nur noch wenige Wälder, viele wurden abgebrannt um Flüchtige zu vernichten. Kaputte Kriegsmaschinen säumten die Silhouette am Horizont, der Gestank von Tot war allgegenwärtig und Leichenfeuer erhellten den Nachthimmel.
Bei einer besonders heftigen Schlacht um die Stadt Waden, oder besser um die Ruinen selbiger ehemaligen Stadt, traf er während einer Schlacht endlich im Zweikampf auf William.
Sie kämpften lange und verbissen, die Truppen beider Seiten um sie herum hörten auf zu kämpfen und folgten gebannt dem Duell. Nach einem schier endlosen Zweikampf gelang es ihm schließlich William niederzustrecken. Würde der Krieg jetzt vorbei sein? Diese Schlacht war es jedenfalls, der Krieg jedoch noch nicht. Williams Platz bei der Opposition wurde von Williams Strategen Archibald, der Fuchs wie sie ihn nannten, eingenommen. „Für mich endet der Weg hier!“ presste der Junge hervor. „Für Euch wird er niemals enden, mit jedem Schritt den ihr geht, werden eure Qualen am Ende größer sein! Ihr findet keine Erlösung in der Verdrängung des Imperiums, Ihr macht euch was vor, um euren wahnsinnigen Kreuzzug zu rechtfertigen! Ohne den Schutz des Imperiums werden die reitenden Horden über euch herein brechen, die Drachen und Riesen aus der Dunklen Zone werden euch überfallen, Räuberhorden werden verhindern, dass eure Kinder auf den Straßen spielen.
Die Provinz wird im Chaos untergehen, ich hoffe für euch, dass die imperiale Streitmacht kommt und Euch Einhalt gebietet, bevor das Land ganz Euren wahnsinnigen Monstern zum Opfer fällt!“
Der Junge brach ohnmächtig zusammen. Er lachte. War das Leben nicht grausam? Es war noch nicht lange her, als er diese Erfahrung vor der Farm seiner Eltern machte. Das Leben war grausam und die einzige Antwort bestand darin sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, irgendwelchen Göttern konnte man es jedenfalls nicht überlassen. Es schien ihm wie eine Ewigkeit vorzukommen, seit er zu der Erkenntnis gekommen war, dass das Imperium in Druchim’inor nichts verloren hatte. Wie kam ein Großmarshall dazu zu entscheiden, wie sie hier ihr Leben führen sollten? An was sie glaubten, welche Gesetze sie befolgen sollten?
Zwei seiner Soldaten brachten eine weiße Flagge, mit dem blauen Wolfszeichen, die sie über den Jungen legten. Das Blut des Jungen färbte die Flagge um den Wolf rot.
Diese Flagge hissten sie am Dorfplatz, als Mahnmal für Ketzer und Fehlgeleitete, die sich lieber einem Leben in Sklaverei unter dem Imperium hingaben.
In den nächsten Tagen und Wochen wurde Landstrich für Landstrich erobert, Weinhein war längst unter dem Beschuss toter Kadaver gefallen. Blut vergießen war längst zur Tagesordnung geworden, die Männer und Frauen, die ihm folgten waren verroht, sie waren von Kindern die an eine Sache geglaubt hatten zu wahren Kriegern geworden.
Der Anblick des Todes brachte sie nicht mehr zum erschauern, Stadt für Stadt fiel, die Städte die nahe der Grenze des Imperiums lagen leisteten für gewöhnlich Widerstand, da sie auf die Rettung hofften, doch es schien als ob das Imperium für sie genauso wenig übrig hatte wie ihre Götter, an die sie sich verzweifelt klammerten. Kjowärts waren die Dörfer und Städte vernünftiger. Sie waren bereitwilliger an den Umsturz zu glauben, sie versorgten die Armeen mit Nahrung und nur wenig Blut musste für die richtige Sache fließen. Die Motivation unter seinen Männern war jedoch nicht mehr der Umschwung, sondern die Lust am Blut vergießen, sie hatten sich in Bestien verwandelt.
Was störte es ihn? Nicht das Werkzeug, sondern das Ergebnis würde entscheiden.
Eines Tages kam die Botschaft, dass das Imperium entlang des Mør Stellung bezogen hatte und harte, wenn auch sinnlose Stellungskämpfe über den Fluss entbrannt waren, denn die einen konnten nicht hinüber und die anderen wollten gar nicht. Ganz im Nor, nahezu an den Säumen des Norwaldes gelang es den Imperialen Truppen schließlich überzusetzen und sie hatten eine stattliche Armee mitgebracht. Infanterie, die von einem Ende des Schlachtfeldes bis zum anderen reichte und die imperialen Flaggen und Wimpel im Zeichen des Adlers schienen bis zum Horizont zurück in regelmäßigen Abständen in den Himmel zu zeigen.
Er konnte nicht einmal schätzen wie viele er vor sich hatte, Aber seine Truppen schienen nicht viel weniger zu sein. Als die Armeen zusammen prallten schien eine Erschütterung durch die Welt zu gehen, die im ganzen Imperium zu spüren sein musste. Waffen die aufeinander klirrten, Kaskaden aus Blut, fremdartige imperiale Kriegsmaschinen, riesige Konstruktionen aus Metall und Holz die sich irgendwie fortbewegen konnten, riesige Steinbrocken, die von den Triböcken der Druchim’inor in die Schlacht geschleudert wurden, gewaltige bläuliche Explosionen die von den imperialen Kampfmagiern verursacht wurden und viele auf einmal zerfetzen konnten. Staub lag überall in der Luft, den man noch von weitem sehen konnte. Die Lebensmittelnachschübe brachen bald zusammen, das gesamte Schlachtfeld dehnte sich langsam aus, die Verletzten auf beiden Seiten konnten nicht mehr geborgen werden. Verbissen kämpfte er an vorderster Front, zu Verhandlungen war es gar nicht gekommen, aber sie mussten gewinnen, das war ihre Gelegenheit um dem Imperium klar zu machen, dass es hier nicht erwünscht war. Würde es gelingen diese Armee zu vernichten, wäre das mit Sicherheit auch ein gewaltiger Schlag gegen das Imperium, es würde sich zurück ziehen oder aber ewig brauchen um eine neue Streitmacht zu mobilisieren.
Möglicherweise würden auch die Süprovinzen endlich Mut fassen und sich wehren. Dann wäre das Imperium an zwei Fronten beschäftigt.
Die Schlacht dauerte volle zwei Wochen und verlagerte sich im Verlauf auch in mehrere Städte, wo wüste Straßenschlachten entbrannten. Die Grafschaft Zweckenbørg wurde völlig vernichtet, in ihr tobte die Schlacht am heftigsten, in den letzten Tagen, bevor sie schließlich ein Ende nahm, weil sich die verbliebenen imperialen Truppen zurück zogen. Sie überquerten den Fluss und bezogen sofort Stellung um ein Eindringen in das Imperium zu verhindern.
Die Staubwolke, die durch die Schlacht aufgewirbelt wurde, verdunkelte noch eine weitere Woche den Himmel, bevor sie sich langsam zu lösen begann.
Die Kämpfe gingen noch mehrere Jahre im Land Druchim’inor weiter, die überlebenden Imperialen hatten einen gut organisierten Widerstand geleistet und auch manche Städte hielten noch stand.
Er war noch immer weiterhin der Anführer, und ein Großteil seiner Männer folgte ihm bedingungslos von Schlacht zu Schlacht. Einen weiteren Angriffsversuch unternahmen die Imperialen noch, sie überquerten die Mør südlich von Mørheim in gewaltigen Luftschiffen, woher sie diese hatten wusste er nicht, er hatte so etwas noch nie gesehen. Die Überraschung war auf imperialer Seite und es gelang ihnen Sønderheim und ein paar Farmen herum zu erobern. Sønderheim war schnell zurück erobert. Und fortan sollte kein imperialer Soldat mehr einen Fuß in das Land setzen. Der Großmarshall hatte also endlich aufgegeben und ihre Unabhängigkeit anerkannt.
Seine blühenden Pläne eines Wiederaufbaus wurden jedoch nicht in die Tat umgesetzt, denn unter seinen eigenen Truppen hatte sich Widerstand gebildet. Zum einen glaubten seine Männer nicht mehr an eine Zukunft, sie waren zu der Überzeugung gelangt, dass sie im letzten Zeitalter lebten, auf eine Zeit in der sich jegliche Götter abgewandt hatten, würde keine neue Zeit mehr folgen. Zum Anderen hatte William ihm vorgeworfen die Kontrolle verloren zu haben und dem Wahnsinn verfallen zu sein. William hatte sich mit seinen Truppen abgewandt und wieder verfielen die Leute dem Unglauben. Nahezu die Hälfte der Bevölkerung von Druchim’inor, diesmal jedoch großteils aus Sü’inor wandte sich ihm ab und William zu. Seine und Williams Armee prallten immer wieder heftig aufeinander, viele Leben forderte der Bruderkrieg. Das Chaos das im ganzen Land herrschte, bot Nährboden für allerlei weitere Feinde, Kulte entstanden, die zu den Göttern des Chaos beteten und mit einer berserkerhaften Besessenheit ihren Glauben verbreiten wollten. Abtrünnige Soldaten plünderten und mordeten, anstatt die Dörfer neu aufzubauen und die Felder zu bestellen.
Wie hätten sie das auch bewerkstelligen sollen? Sie konnten und kannten nach all den Jahren des Krieges nichts anderes mehr. 50 Jahre ging das Morden und Kämpfen in der eigenen Bevölkerung weiter, es gab kaum noch einen Fleck in Druchim’inor, an dem noch keine Schlacht stattgefunden hatte, oder an dem kein Blut vergossen worden war. Es gab nur noch wenige Wälder, viele wurden abgebrannt um Flüchtige zu vernichten. Kaputte Kriegsmaschinen säumten die Silhouette am Horizont, der Gestank von Tot war allgegenwärtig und Leichenfeuer erhellten den Nachthimmel.
Bei einer besonders heftigen Schlacht um die Stadt Waden, oder besser um die Ruinen selbiger ehemaligen Stadt, traf er während einer Schlacht endlich im Zweikampf auf William.
Sie kämpften lange und verbissen, die Truppen beider Seiten um sie herum hörten auf zu kämpfen und folgten gebannt dem Duell. Nach einem schier endlosen Zweikampf gelang es ihm schließlich William niederzustrecken. Würde der Krieg jetzt vorbei sein? Diese Schlacht war es jedenfalls, der Krieg jedoch noch nicht. Williams Platz bei der Opposition wurde von Williams Strategen Archibald, der Fuchs wie sie ihn nannten, eingenommen.
Einige Opfer forderte das Chaos des Krieges noch, aber Williams Tod hatte ihm zu denken gegeben. Wie weit war er gekommen? Was hatte er erreicht? Unter ihm war das Land zusammengebrochen. Nein, wegen der Ungläubigen war es zusammengebrochen. Er wollte nur das Beste, ein freies Reich der Druchim’inor, weit Abseits der Diktatur der Mitte.
Er hatte den Bruder seiner ermordeten Frau getötet. William war wie sein eigener Bruder gewesen. Der Einzige, der seinen Schmerz verstanden hatte, der Einzige dem er völlig vertraut hatte, der Einzige, an dessen Seite er gewagt hatte an die Veränderung zu glauben.
Wann war der Punkt gekommen, wo er nicht mehr an die Veränderung glaubte, sondern die Veränderung an ihn? Er war eine Puppe des Chaos geworden, möglicherweise gab es tatsächlich Chaosgötter, die ihn manipuliert, die ihn benutzt hatten?
Nein, jetzt mit dem Glauben an Götter anzufangen bedeutete die Schuld von sich zu schieben.
Er hatte verändert, aber nicht zu seinen Visionen eines blühenden, freien Reichs, sondern er hatte den Alptraum der brennenden Farm, in der seine Geliebten gestorben waren auf das ganze Land ausgeweitet. Er hatte Leid und Wahnsinn über die Druchim gebracht.
Er selbst war dafür verantwortlich, er selbst musste damit fertig werden.
Er stand am Balkon und wunderte sich. Der Junge hatte einst Recht gehabt. Er war am Schluss seiner Reise angelangt, aber die Erkenntnise über seine Taten wurden immer größer, sie schienen ihn fast aufzufressen. Deshalb mochte er den Balkon, von hieraus konnte er sehen, dass er am Ende den Frieden doch noch gebracht hatte und somit einen Teil seiner Schuld eingebüßt hatte. Auch das war nicht immer so gewesen.
Nach Williams Tod, hatte er irgendwann beschlossen, dass sein einziger Ausweg aus den Qualen, die ihm die Erkenntnis bereitete hatte, im Wideraufbau lag. Er wollte seine Visionen verwirklichen.
Er sandte Boten zu Archibald dem Fuchs und gemeinsam beriefen sie einen Rat ein, der zuerst angespannt, jeder misstraute jedem, dann immer entspannter ablief, als sie zu der Erkenntnis kamen, dass der Frieden ihr einziger Wunsch und gemeinsames Ziel war.
Um diesen zu erreichen sollten von nun an Entscheidungen zwischen allen Acht Ratsmitgliedern entschieden werden, es sollte Gerecht und zum Wohl des ganzen Reiches gehandelt werden. Das Schwierigste dabei war für ihn, wie auch für einen Großteil der Bevölkerung, die mordenden Bestien in sich selbst zu besiegen.
Vieles musste neu erlernt werden, in der Bevölkerung gab es kaum noch jemanden, der wusste wie man ein Feld bestellte, auch von den Nopinesern erhielten sie selbstlose Unterstützung. Schneller als erwartet hatten sich die Meisten zum Wunsch nach Frieden bekannt, die wenigen, deren Geister noch weiter nach Blut schrieen, die ihre Menschlichkeit nicht mehr zurück erlangen konnten, wurden in die Dunkle Zone gedrängt oder flohen nach Aëgn und von dort aus heuerten sie auf Schiffen an, die sie in fremde Länder brachten.
Es gab noch Soldaten, aber die hatten ihre alte Funktion zum Schutz des Landes und zur Durchsetzung der Gesetze wieder aufgenommen.
Neue Gesetze wurden geschaffen, die vom alten Rat beschlossen wurden. Der alte Rat bestand aus den weißesten und klügsten Männern und Frauen des ganzen Landes und vermochte es Probleme mit dem Mund zu lösen. Ihre Vorschläge wurden dann vom Rat der Acht übernommen und ans Volk weitergegeben. Der Alte und der neue Rat residierten im alten Palast, einem riesigen Gebäude, mit starken Wehrmauern, das ein Relikt des Dunklen Zeitalters war und auf dessen Balkon er jetzt stand und über sein Leben und seine Taten sinnierte.
In den zehn Jahren des Wiederaufbaus hatte er sich zunächst durchaus befreit gefühlt.
Er hatte sein Ziel erreicht, seine Vision von einem freien, autonom regierten Druchim’inor war Wirklichkeit geworden. Der Wiederaufbau ging zügig und schnell von statten, alle hatten gelernt, dass Einzelne möglicherweise für das Allgemeinwohl zurück treten mussten.
Das galt für den Bauern am Feld, sowie das Ratsmitglied, das ohne den Bauern nicht überleben konnte. Das Volk der Druchim’inor war weiser geworden. Es hatte gelernt, es hatte sich entwickelt. Er selbst war älter und klüger geworden. Er hatte viel erreicht, er hatte viel angerichtet und dennoch begannen ihn seine Taten immer mehr heimzusuchen.
Er hatte den Grundstein für eine bessere Zukunft geschaffen, aber zu welchem Preis?
In letzter Zeit, wenn er so einsam auf dem Balkon stand und sein Leben reflektierte, begann er immer mehr zu zweifeln, es hätte einen anderen Weg geben müssen. Das Imperium hatte seine Fehler gehabt, aber hatte es nicht genau das verhindert, dass das Land in einem wüsten Krieg zusammen brach? War wenn sich zwei stritten nicht die Lösung des dritten manchmal am Besten?
Er hatte mit jugendlichem Elan einen Schneeball losgetreten, der ihm ohne dass er es bemerkt hatte außer Kontrolle geraten war und der ihm schließlich mit voller Wucht und neuer Größe wieder ins Gesicht geklatscht war.
Er konnte sich nichts mehr vormachen. Er würde mit den Geistern der Vergangenheit leben müssen, und langsam neigte sich sein Leben dem Ende zu.
Er hatte niemals an den Tod geglaubt, er war nie davon ausgegangen, dass er in der Schlacht sterben würde, vermutlich weil er wusste, dass er nichts zu verlieren hatte.
Nun war er ein alter Mann, über seinen Schultern hing noch immer der Wolfsfellmantel aus der Höhle, aber er war zum Symbol der Ermahnung geworden. Lange würde sein Leben nicht mehr dauern und der Junge aus dem Dorf hatte recht behalten. Seine Schmerzen füllten ihn völlig aus und er konnte sie nicht loswerden. Er glaubte an nichts außer an sich selbst, und jetzt fiel es ihm schwer diesen Glauben aufzugeben, um endlich alles zu beenden.
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